Alexander Schadow - Konstruktivismus
Das Rätsel der geometrischen Abstraktion ist bei Alexander Schadow entschieden formuliert. Durch Formen und Richtungen und vermöge Farbe und Differenz wird es ins Symbolische gewendet.
In der Verdichtung der konkreten Bildmittel Linie, Farbe und Fläche erreichen die gleichformatigen Bildkompositionen die ihnen eigentümlichen Transformation.
Die dergestalt entwickelten - konkreten Symbole - sind Teile einer Konzeption, die durch Strenge der Abstraktion gekennzeichnet ist und gleichwohl resp. deswegen eine eigentümliche Poesie erreicht.
Konzeption - Reduktion - Konstruktion prägen die mit Acrylfarben ausgeführten demonstrativen Bildreihen, in denen jeweils die Fläche betont wird und jegliche herkömmliche Illusionierung des Raumes vermieden ist.
Farbe, Form und Fläche werden erforscht und zu jeweils wieder neuen und unerwarteten Großzeichen zusammengeführt.
Alexander Schadow hat sich das Postulat Paul Klees zu eigen gemacht: jene spezifisch moderne Aufgabe, Unsichtbares sichtbar zu machen. Der französische Philosoph François Lyotard hat der tradierten Formel erneut Ausdruck verliehen im Zusammenhang seiner Beschreibung einer neuen Ästhetik.
Über das hinaus, was die Kunstrichtungen - Konstruktivismus - und - minimal art - dazu entwickelten, zeigt der Künstler Alexander Schadow neue, zeitgemäße Formulierungen des Bestrebens, Rationalität und Poetik zu verbinden. Dabei entfaltet er spezifische Möglichkeiten, die generelle Aufgabe in serielle Formen der Wandlung vorzustellen. Es ist die Intention, dies alte und seit Descartes verabsolutierte Widerspruchsverhältnis von Kognition und Emotion neu zu erproben und produktiv zu wenden. Damit begegnet er einem tief empfundenen Mangel gegenwärtiger Entwicklungen in unserer sich scharf differenzierenden Medien- und Informationsgesellschaft.
Alexander Schadow hat sich bewußt der Weisheit der Geometrie verpflichtet. Ihre Prinzipien allgemeingültiger Ordnung dienen ihm dazu, Grundideen seiner Arbeit zu veranschaulichen und sie als Instrumente bildnerischer Erkenntnis zu nutzen. Die ursprünglichen orthogonalen Elemente und Figuren werden entsprechend dynamisiert und farbig aufgeladen, um neue Formen der Verallgemeinerung (Symbolisierung) zu dienen und ihnen anschaulich und beredt Ausdruck zu geben.
Prof. Klaus Matthies, Universität Bremen