Zeichnen - die Grundlage
Der Begriff Zeichnung beschreibt eine Technik der Bildgestaltung, die
- in Abgrenzung zur Malerei - von der Linie und nicht von der Fläche bestimmt ist. Zur Zeichnung werden
in der Kunst neben der Handzeichnung auch die Vorbereitung zur Druckgrafik bezeichnet, die dann als Holzschnitt, Kupferstich, Lithografie,
Radierung und Monotypie ausgeführt werden. Grundlegende Elemente der Zeichnungen sind die Linien, die bei der Handzeichnung z.B. mit Grafit,
Kohle, Kreiden oder Tuschen direkt mit der Hand auf den Bildträger gezeichnet wird, und die bei der Druckgrafik mit Stichel und
Radiernadel in das Druckmedium geritzt wird.
Um ein Missverständnis zu vermeiden: Handzeichnungen sind nicht Abbildungen
von Händen, sondern grenzt sich zur technischen Zeichnung dadurch ab, dass die Handzeichnung ohne Hilfsmittel wie Lineal und Zirkel
aus der freien Hand ausgeführt wird.
Im der reinen Konturenzeichnung markiert die Linie die Grenzen der Umrisse eines Gegenstandes. Ohne Schattierung lassen sich auf diese Weise
die Gegenstände typisieren, beispielsweise die Umrisse eines Hauses, das sich von seinem Hintergrund abgrenzt. Auch bei gegenstandslosen Darstellungen ist
die Linie das vorstechende Merkmal, auch wenn in der modernen Kunst die Grenzen zwischen Zeichnung und Malerei nicht immer eindeutig zu ziehen sind. So kann
eine mit Tinte angelegte Zeichnung durch verwischen einer Linie durchaus als Malerei verstanden werden.
Das schwierigste Element, das aus der freien Hand mit einem Zeichen-Utensil auf einer Fläche gezeichnet werden kann, das ist die gerade Linie.
Kunst-Maler und Zeichner wissen: es gehört einige Konzentration und eine geübte Technik dazu, um dieses zu Bewältigen. Und noch eine Steigerung dieser
Voraussetzungen, um diese gerade Linie mehrmals - möglichst identisch - wiederholen zu können.
Um in Zeichen-Techniken zu Ergebnissen zu kommen, welche die
Erwartungen erfüllen, ist unbedingte Voraussetzung, die Technik zu beherrschen, und mit Konzentration und gleichzeitiger Spannung das Vorhaben anzugehen. Wenn
Sie nicht die Ruhe und Konzentration aufbringen eine gerade Linie zu ziehen, dann werden Sie schwerlich komplexere Inhalte wie Blumen, Engel, Hände, oder auch eine
toskanische Landschaft Zeichnen oder Malen können. Toskanabilder werden in der Regel ohne gerade Linien auskommen, stellen aber in ihrer Überfülle von Farben und
abwechslungsreichen Formen in der Zeichnung eine hohe Herausforderung dar.
Wenn Sie eigene Bilder selber Zeichnen möchten, dann können Sie hier einiges über Zeichentechniken, und Mittel der von der Linie ausgehenden Bildgestaltung erfahren, die in der
traditionellen und modernen Zeichnung Grundvoraussetzung für ein befriedigendes Ergebnis sind.
Zeichnen lernen, eine gerade Linie zeichnen
Sie sollten für diese schwierige Übung nicht die Hand auf dem Bildträger aufstützen! Die Linien, die Sie in der Art zeichnen, werden immer
eine Rundung aufweisen, oder Stufig sein. Halten Sie den Stift, die Kreide oder die Feder fest zwischen Daumen, Mittel- und Zeigefinger und bewegen nur
den Arm aus dem Schultergelenk heraus. Versuchen Sie, die Hand und den Unterarm möglichst ruhig zu halten, und ziehen mit dem gesamten Arm in gleichmäßiger
Geschwindigkeit - und mit gleichmäßigem Druck - ihr Zeichenutensil über das Papier, den Karton oder die Leinwand. Versuchen Sie die Übung einige Male, bis
Sie das Gefühl haben, die so gezogenen Linien seien identisch.
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Die moderne Zeichnung ist geprägt durch Freiheit in der Wahl zeichnerischer Mittel und Materialien. Je stärker die farbliche Gestaltung etwa mit
Pastellfarben und Kreiden und / oder durch Verwischen und Verreiben die Eindeutigkeit der Linie in den Hintergrund drängt, desto näher ist die Grenze
zur Malerei. Auf der anderen Seite nähert sich auch die Malerei der Zeichnung an, zum Beispiel bei mit flüssigen Farben und Pinsel gemalten Gemälden
von Pablo Picasso, die aus der Linie aufgebaut sind. Ob ein Bild also der Zeichnung oder Malerei zuzuordnen ist, lässt sich um so weniger beantworten,
wenn Künstler bemüht sind, die klassischen akademischen Formregeln zu Hinterfragen. Bei Bildern von A.R. Penk ist die Frage der Zuordnung in eine Kunst-
Gattung schlichtweg nicht mehr möglich. Auch wenn die Bilder von A.R. Penk allgemein der Malerei zugeschrieben werden, kann er doch für sich in Anspruch
nehmen, der Zeichnung - die sich nach dem Expressionismus bis ins späte 20. Jahrhundert auf Karikatur und Comic reduzierte - neue Impulse verliehen zu haben.
Die Zeichnung rechts wurde mit einem Grafit Block mit variierendem Druck gezeichnet. An der Schnittstelle der beiden aufragenden Linien ist eine Verdichtung zu erkennen.
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mit einem Grafit-Block mehrfach übereinander gezeichnet
Georgus, "Paar", 18 x 18 cm, 2006 mit freundlicher
Genehmigung: Grafik und Druckgrafik
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